Ikelite 200DL - Das Unterwassergehäuse im Test

Tiere Unterwasser zu fotografieren war schon länger ein Traum von mir. Seit Ende letztem Winter habe ich mit einem Ikelite Unterwassergehäuse nun endlich die Möglichkeit dazu. Meine Erfahrungen dazu habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.

Das Ikelite 200DL ist eine Unterwassergehäuse aus einem Polymer-Mix (ABS-PC) und dadurch verhältnismässig leicht. Das nur 2.2 kg schwere Gehäuse ist bis auf 60m getestet und ermöglicht praktisch alle Knöpfe der Kamera auch Unterwasser bedienen zu können. Dazu sind verschiedene Lens Ports verfügbar um aus jedem Objektiv die beste Qualität herauszuholen.

Das Ikelite-Gehäuse

Für meine Nikon D850 gibt es verschiedene Hersteller, welche ein Gehäuse für diese Kamera produzieren. Wahrscheinlich am bekanntesten für Unterwassergehäuse sind Nauticam gefolgt von Ikelite. Dazu kommen kleinere Hersteller wie Subal Housings, Hugyfot etc. Preislich reichen die Gehäuse von anderthalb Tausend Franken bis über das anderthalb fache der Kamera selber. Also gut 5'000 Franken. Ich habe mich schliesslich für das Ikelite-Gehäuse entschieden. Dieses ist mit seinem 1'600 Franken noch auf der «billigen» Seite. Wer sich aber in der Unterwasser-Szene umschaut merkt schnell, dass billig eine völlig neue Bedeutung erhält. Mehr zum Preis aber dann später.

Nur das Gehäuse selber reicht noch nicht um mit der Kamera ins Wasser zu gehen. Zum Gehäuse gehört nämlich noch ein Lens Port dazu. Der Lens Port beherbergt das Objektiv. Um Objektive verschiedenster Grössen und Brennweiten verwenden zu können ist das System Modular aufgebaut. Für ein Weitwinkel lässt sich beispielsweise ein Dome Port montieren. Dabei ist das Glas vor dem Objektiv gewölbt, um das Bild nicht zu verzerren. Für Objektive mit längeren Brennweiten wir dafür ein Flat Port verwendet. Dieser wird vor allem bei Makro-Objektiven verwendet, da auf weitere Distanzen Unterwasser die Sicht zu schlecht für eine lange Brennweite ist.

Sowohl bei Dome Port wie auch beim Flat Port kommen dann noch Port-Extensions dazu, wenn das Objektiv zu lang ist. Diese gibt es in verschiedenen Längen und müssen je nachdem unterschiedlich kombiniert werden. Auch die Port-Extensions sind nicht gerade billig und ich bin deshalb bisher nur mit Objektiven unterwegs gewesen, wo ich auf diese verzichten kann. Welchen Port und welche Port-Extensions verwendet werden sollten, werden von vielen Herstellern in Listen zur Verfügung gestellt.

Testbericht über das Ikelite 200DL.

Der grosse Dome Port verbessert durch die gewölbte Front die Bildqualität bei Weitwinkel-Objektiven.

Bedienung

Das Ikelite Gehäuse ermöglicht so ziemlich jede Taste der Kamera zu bedienen.  Fokus und Auslöser werden mit 2 kleinen Hebeln bedient, Die restlichen Knöpfe werden über Knöpfe am Gehäuse angesteuert, während die Drehräder der Kamera über zwei Rädchen am Gehäuse angesteuert werden. Im Wasser sind diese aber nicht immer ganz so einfach zu bedienen. Beispielsweise den ISO-Wert einzustellen, weil man dazu eigentlich fast 2 rechte Hände bräuchte. Mit etwas Übung kriegt man aber den Dreh raus und kann die allermeisten Funktionen auch tauchend bedienen. Grundsätzlich braucht man aber deutlich mehr Zeit, um die Kamera einzustellen.

Qualität

Die teure Vollformatkamera ins Wasser zu halten, braucht immer etwas Mut. Ein qualitativ hochwertig anmutendes Gehäuse macht das ganze schon etwas einfacher. Das Ikelite-Gehäuse wirkt auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Alles ist gut verarbeitet und das kann ich so auch nach drei viertel Jahren bestätigen. Einzig zwei kleine Bemerkung gilt es zu machen.

So haben die Bedientasten zum Teil etwas Spiel und können sich leicht bewegen. Die Dichtigkeit wird dadurch scheinbar nicht beeinträchtigt, dennoch würde ich stabilere Bedienelemente bevorzugen.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt sind die Bedienelemente des Auslösers und des ON-OFF-Schalters. Im Auslöser ist zusätzlich eine Feder angebracht, damit der Auslöser von alleine wieder hochgeht. Die Feder ist aber nicht optimal ins System integriert und ich habe die Feder schon mehrere Male zurechtbiegen müssen. Während die Kamera trotz diesem kleinen Problem weiter bedient werden kann, ist dies beim ON-OFF-Schalter teils nicht mehr der Fall. Jedenfalls bei meinem Gehäuse funktioniert der Schalter fast nie. Damit ich die Kamera nicht im Wasser nicht mehr anschalten kann, läuft diese bei mir ständig. Da ich eine Spiegelreflex besitze ist dies nicht ganz so tragisch. Ich kann die Kamera so tagelang so lassen. Wie das bei Spiegellosen aussehen würde, weiss ich nicht.

Mit Ausnahmen dieser kleinen Macken bin ich aber mit der Qualität sehr zufrieden.

Sicherheit

Wie bereits erwähnt spielt die Sicherheit in der Unterwasserfotografie eine grosse Rolle. Doch nicht nur die Qualität des Gehäuses ist entscheidend, auch deren Anwendung kann entscheidend sein. Je nach System, wie ein Gehäuse verschlossen wird, kann nämlich schnell ein Fehler passieren.

Das grösste Risiko liegt jeweils bei den O-Ringen. Diese bilden die Dichtung zwischen zwei Bauteilen eines Gehäuses und sind bei falscher Handhabung anfällig auf Lecks. Bei den Ikelite-Gehäusen gibt es, wie bei den allermeisten anderen Gehäusen, einen grossen O-Ring für den Lens Port und einen grossen für die Rückplatte. Ikelite zeichnet sich hier durch eine Besonderheit aus, die Backplate ist nämlich transparent, was einem ermöglicht den O-Ring zu überprüfen und gut in das Gehäuse hineinsehen zu können. Das ist ein grosser Vorteil zu den meisten anderen Systemen, welche meist nur ein kleines Fenster für das Display der Kamera eingebaut haben. So könnten grosse Mengen Wasser eintreten, ohne dass man das sehen könnte. Beim Ikelite Gehäuse sieht man das sofort und kann hoffentlich reagieren.

Der O-Ring am Lens Port ist hingegen auch beim Ikelite Gehäuse nicht sichtbar. Dies ist meines Wissens nach, bei keinem der Hersteller möglich, wäre aber für mich ein gern gesehenes Feature.

Wer noch mehr Sicherheit will, kann auch einen elektronischen Leckwarner einbauen. Ikelite selber bietet solche zwar nicht an, die Leckwarner können aber auch von anderen Marken, ganz einfach eingebaut werden.

Ein weiteres Sicherheitsfeature ist die Vakuumpumpe. Damit lässt sich praktisch die gesamte Luft aus dem Gehäuse abpumpen. Wäre ein Leck vorhanden könnte sofort wieder Luft eintreten und man würde das auf der Anzeige der Pumpe bemerken.

Verschiedene Knöpfe, Hebel und Räder am Ikelite 200DL:

Die vielen Knöpfe und Hebel am Gehäuse haben z.T. etwas Spiel, sind aber trotzdem dicht.

Wartung

Grundsätzlich braucht natürlich jegliches Kameraequipment eine gewisse Grundpflege. Bei einem Unterwassergehäuse ist das aber ganz besonders der Fall. O-Ringe sind aus Gummi und laufen deshalb Gefahr, mit der Zeit spröde zu werden. Um das zu verhindern, müssen die Ringe regelmässig mit einem Silikon-Gel behandelt werden. Dabei sollte unbedingt das Silikon-Gel vom richtigen Hersteller verwendet werden. Die Gels können nämlich unter den Herstellern Unterschiede in der Zusammensetzung aufweisen, was zu aufgeblähten oder spröden O-Ringen führen kann. Beides kann schliesslich in einem leckenden Gehäuse enden.

Zusätzlich zu den beiden grossen O-Ringen gibt es noch viele weitere kleine O-Ringe, die unter den vielen Knöpfen und Schaltern versteckt sind. Da diese nicht wirklich gut erreichbar sind, wird empfohlen, das Gehäuse einmal pro Jahr von einem Händler untersuchen zu lassen. Dabei wird das Gehäuse ebenfalls auf Korrosion untersucht. Dies sollte zwar aufgrund der verwendeten Materialien nicht auftreten, besonders nach Tauchgängen im Salzwasser ist dies dennoch nicht vollständig auszuschliessen.

Der Domeport besteht bei Ikelite aus Acrylglas, dieses ist zwar wesentlich billiger und auch leichter als normales Glas, ist aber auch anfälliger auf Kratzer. Immerhin lassen sich feine Kratzer wieder rauspolieren.

Zubehör

In der Welt der Unterwasserfotografie ist die Menge an Zubehör schon auf den ersten Blick riesig. Blickt man sich mal ein wenig um, wird dies nur noch extremer. Seien es Filter für ans Objektiv, spezielle Objektive mit dem Namen «Nassobjektiv», Winkelsucher, Unterwassermonitore und anderes exotisches Zeug, für jede noch so kleine Anwendungsnische findet man genau das Zubehör, dass man braucht. Der Preis dafür ist aber dementsprechend relativ hoch. Wer denkt, dass die Fotoausrüstung Überwasser schon viel kostet, kommt bei der Ausrüstung für die Unterwasserfotografie so richtig auf die Welt. Viele der Sachen sind aber wirklich nur Zubehör und nicht wirklich notwendig und so sind die meisten Sachen wahrscheinlich Nice-to-have aber nicht essenziell. Einige Dinge, wie beispielsweise ein Fernauslöser, lassen sich auch selber zusammenlöten.

Das Ikelite Unterwassergehäuse.
Die Ikelite-Blitze mit abnehmbaren Diffusor.

Um Unterwasser schöne Farben zu erhalten sind Blitze unabdingbar. Diese sind aber auch nicht gerade billig. Unterwasserblitze sind aber immer wieder mal auch Occasion zu kaufen.

Die Lichtqualität der Blitze kann meist sehr gut eingestellt werden. Sei das über die Helligkeit der Blitze, deren Position oder durch Diffusoren oder Farbfilter.

Preis/Leistung

Unterwasserfotografie ist teuer. In Anbetracht der Kameras, welche man dadurch unter die Wasseroberfläche nehmen kann, ist ein etwas höherer Preis sicher gerechtfertigt. Eine teure Kamera in ein billiges Gehäuse zu stecken ist zwar durchaus möglich, dessen Risiko ist aber wesentlich höher. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er seine Kamera in ein Billiggehäuse stecken möchte oder nicht. Meiner Ansicht nach schlägt Ikelite mit dem 200DL aber die perfekte Brücke zwischen Qualität und Preis. Mich haben die Produkte jedenfalls überzeugt und ich kann dieses Gehäuse nur weiterempfehlen.

Ein Unterwasserfoto, fotografiert mit dem Ikelite 200DL.

Ein Höckerschwan sucht Unterwasser nach Futter.

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Weitere Fotos mit dem Unterwassergehäuse

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Nicolas Stettler

Weyernweg 27

2560 Nidau

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16.8.2022

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