Kolbenente während der blauen Stunde

Ein kurzer Artikel über das Foto einer flügelschlagenden Kolbenente im Nebel und weshalb stundenlange Beobachtung und Erfahrung einem das Fotografieren vereinfachen kann.

Kolbenente Männchen (Netta rufina) zur blauen Stunde im Nebel

1/320 | f/ 7.1| ISO 1000 | 600mm

An diesem Morgen machte ich mich schon im Dunkeln auf den Weg. Im dichten Nebel fuhr ich mit meinem Fahrrad an den See. Ich kenne einen Spot, an dem am Morgen oft Kolbenenten sind. Die farbenfrohe Tauchente überwintert am Bielersee und ist auch seltener Brutvogel. Interessanterweise kommen die meisten Wintergäste aber aus dem Süden. Dort brütet die Ente hauptsächlich in Spanien. Erst zur Mauser fliegt ein grosser Teil der Kolbenenten-Population in die Schweiz. Nach der Synchronmauser bleiben viele der Enten über den Winter in der Schweiz und fliegen erst im Frühling zurück in ihre Brutgebiete im Süden. Weshalb die Kolbenente in der Schweiz überwintert ist unklar.

Wie schon in den Wochen davor, fand ich eine Gruppe Kolbenenten an meiner Location. Ich legte mich ans Ufer und wartete, bis sich die Kolbenente an meine Anwesenheit gewöhnten. Mittlerweile wurde der Himmel immer heller. Über dem Wasser hing ein tiefer Nebelschwaden. Es war absolut windstill. Durch meine tiefe Kameraposition ergab sich ein interessanter Farbverlauf. Nun musste nur noch eine Kolbenente etwas näher auf mich zuschwimmen…

Es dauerte für einmal nicht sehr lange, bis die Kolbenenten langsam in meine Richtung schwammen. Immer wieder tauchten einzelne Individuen ab, um nach Wasserpflanzen zu suchen. Andere wiederum waren mit der Federpflege beschäftigt. Die Federpflege beendeten die Enten jeweils mit einem kräftigen Flügelschlagen. Weil ich diese Entenart schon stundenlang beobachtet habe, konnte ich den Flügelschlag mit relativ guter Sicherheit im Voraus erahnen. Nun musste ich nur noch eine Kolbenente finden, die den Flügelschlag im richtigen Winkel von mir aus machte. Ich bemerkte eine Kolbenente, die mit dem Kopf genau zu mir zeigte. Meine Erfahrung sagte mir, dass dieses Kolbenenten-Männchen gleich zum Flügelschlagen ansetzen würde. Und tatsächlich! Noch bevor die Ente überhaupt die Flügel gespreizt hatte, hatte ich meinen Finger schon auf dem Auslöser. Noch während die Kamera die Bilder auf meine XQD-Karte schrieb, wusste ich: dieses Bild war im Kasten…

Kolbenente Männchen (Netta rufina) schwingt seine Flügel.

Das Bild gefällt mir sehr. Technisch gesehen ist es zwar nicht besonders gut, dafür kombiniert es Action mit der Ruhe der blauen Stunde und des morgendlichen Nebels. Mir gefallen generell weiche Farbeverläufe im Hintergrund. Dieser blaue Farbverlauf hat es mir besonders angetan. Ich habe in diesem Winter nämlich auch schon einen Haubentaucher und eine Pfeifente in einem ähnlichen Stil ablichten können. Welches Foto mir schlussendlich am Besten gefällt, kann ich noch nicht sagen. Um dies zu entscheiden, muss ich immer zuerst ein wenig Distanz gewinnen.

Einstellungen

Belichtungszeit: 1/400

Blendenöffnung: f/ 7.1

ISO-Empfindlichkeit: ISO 640

Brennweite: 600mm

Objektiv: Sigma 150-600mm F5-6,3

Kamera: Nikon D850

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Nicolas Stettler

Weyernweg 27

2560 Nidau

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16.8.2022

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