Langeoog – Vogelfotografie im Winter

Für eine Woche reiste ich nach Langeoog, einer Insel im Wattenmeer. Im Winter rasten dort tausende Limikolen und Wasservögel. Doch pünktlich mit meiner Ankunft meldete sich das Sturmtief ‘Sabine’ zu Wort und machte das Fotografieren zu einer Tortur für mich und die Ausrüstung.

Sanderling rennt auf Langeoog dem Strand entlang.

1/800 | f/ 6.3 | ISO 900 | 600mm

Langeoog bei Wintersturm Sabine.

1/250 | f/ 14 | ISO 400 | 150mm

Mit dem ÖV von Biel nach Langeoog

Mit Zug, Bus und Schiff dauerte die reine Fahrzeit von Biel rund 12 h. Aufgrund der Verbindungen legten wir aber in Bremen noch ein Zwischenstopp mit Übernachtung ein. Die ganze Anreise dauerte somit rund einen Tag.

Kurz vor dem Eintreffen des Sturmtiefs Sabine erreichten wir die Fähre nach Langeoog. Schon auf der Überfahrt konnte ich einige Eiderenten, eine Gruppe Austernfischer und zwei Brachvögel beobachten. Auf der Insel angekommen, machte sich das Sturmtief erstmals richtig bemerkbar. Mit über 100 km/h fegte der Wind über den Strand und wirbelte grosse Mengen an Sand auf. Vögel konnte ich am Nordstrand keine entdecken. Deshalb beschäftigte ich mich etwas mit der Landschaftsfotografie. Ich hatte aber bereits das Tele montiert. Da ein Objektivwechsel bei den Mengen an herumfliegendem Sand unmöglich war, musste ich mit meinem Tele auskommen. Mit meinem Sigma 150-600 mm konnte ich immerhin auf 150 mm hinauszoomen. Trotzdem waren die fotografischen Möglichkeiten recht stark eingeschränkt.

Bei diesem starken Wind war das Fotografieren aus der Hand undenkbar. Doch selbst mit Stativ waren scharfe Aufnahmen erst ab sehr kurzen Verschlusszeiten möglich. Trotz den schwierigen Bedingungen konnte ich einige Fotos machen, bevor ich völlig durchnässt und sandig den Strand verliess. Besonders gefällt mir dieses Bild des Strandes vor einer dunklen Wolke. Es ist sehr minimalistisch und doch hat es eine sehr starke Stimmung.

Leider blieb das Wetter auch in den nächsten Tagen stürmisch. Der Wind fegte unerlässlich über die Insel und der Regen wechselte sich mit Graupel ab. Der feine Sand wurde trotz des Regens aufgewirbelt und machte das Fotografieren mühsam. Der Sand geriet Ruck Zuck in die Augen. Weil er so fein ist, liess er sich nicht so einfach wieder entfernen und erst beim Schlafengehen merkte man, dass die Augen voller Sand waren. Die Kamera konnte ich immerhin mit einem Raincoat von Lenscoat etwas schützen, das Stativ war aber dem Sand vollkommen ausgesetzt. Zusammen mit den teils heftigen Regenschauern klebte sich der Sand richtiggehend ans Stativ.

Sandiges Gitzo-stativ.

Vögel auf Langeoog im Winter

Langeoog ist eine kleine Insel im Wattenmeer. Das Wattemeer ist besonders im Winter und zu den Zugzeiten Lebensraum für eine unglaubliche Anzahl an Limikolen, Meeresenten und Möwen. Während die Limikolen bei Ebbe auf den grossen Sandbänken im Wattenmeer nach Nahrung suchen, zeigen sich viele Vögel besonders bei Flut auf den Inseln. Einige Vögel bleiben auch bei Ebbe in der Nähe der Inseln und können vor allem auf den steileren Nordstränden beobachtet werden.

Auf Langeoog und den anderen Inseln Frieslands überwintern Limikolen wie Austernfischer, Grosser Brachvogel, Sanderling, Alpenstrandläufer, Rotschenkel etc. An den Stränden und in den Dünen können zudem Schneeammern, Ohrenlerchen und selten Spornammern beobachtet werden. Überall präsent sind verschiedene Möwen wie Silbermöwen, die kleineren Sturm- und Lachmöwen sowie die kontrastreicheren Herings- und Mantelmöwen. Auf den Feldern können diverse Gänsearten entdeckt werden. Das Artenspektrum ist aber wesentlich geringer als auf dem Festland und beschränkt sich vor allem auf Grau-, Weisswangen- und Ringelgans. Auf ornitho.de werden immer wieder aktuelle Beobachtungen hochgeladen. Dort kann man genau verfolgen, was für Arten im Moment auf der Insel zu entdecken sind.

Schneeammer in den Sanddünen auf Langeoog.

1/400 | f/ 7.1 | ISO 140 | 600mm

Schneeammer am Strand

Wegen dem schlechten Wetter und den hohen Sturmfluten zeigten sich die Tiere nur spärlich. Die Schneeammern, eine meiner Zielarten, konnte ich zwar immer wieder beobachten, sie flogen aber meistens in grösseren Trupps dem Strand entlang. Landeten diese endlich am Strand, waren sie recht scheu und ein Annähern war unmöglich. Dazu kamen noch die erstaunlich vielen Menschen, die trotz Sturm dem Strand entlang spazierten und die Schneeammern immer wieder verscheuchten. Mehr als ein Belegbild gelang mir deshalb leider nicht.

Eiderente über der aufgewühlten See

Draussen im aufgewühlten Meer konnte ich immer wieder Trauerenten und Eiderenten beobachten. Letztere flogen auch immer wieder dem Strand entlang. Sie kämpften richtig gegen den Wind an. Zusammen mit den hohen Wellen und den dunklen Wolken im Hintergrund ergab sich eine starke Stimmung. Glücklicherweise zeigte sich für einen kurze Moment auch die Sonne, was dem Bild den nötigen Kontrast verleiht. Wegen dem starken Wind war das Scharfstellen mit dem Autofokus und überhaupt das Nachführen der Kamera eine grosse Herausforderung. Nach mehreren vorbeifliegenden Eiderenten-Trupps und hunderten an unscharfen oder verwackelten Fotos hatte ich endlich ein passendes Foto auf der Speicherkarte.

Eiderente fliegt über die stürmische See.

1/800 | f/ 6.3 | ISO 280 | 600mm

Auffliegende Weisswangengänse

Auf den Feldern von Langeoog rasteten neben vielen Graugänsen, Kiebitzen und Staren auch tausende Weisswangengänse. Um die Weisswangengänse aus der Nähe zu fotografieren, hätte ich mehr Zeit gebraucht und einen Hide verwenden müssen. Wurden die Weisswangengänse gestört, flogen sie sofort auf und suchten sich ein neues Feld. Aus guter Entfernung wartete ich also, bis der grosse Trupp aufflog. Dies dauerte nicht allzu lange. Der Vorbeiflug eines Raufussbussards genügte und die Tausenden von Gänsen erhoben sich in die Lüfte. Zwar war an diesem Abend der Wind noch immer sehr stark, immerhin war das Licht aber für einmal recht schön.

Tausende Weisswangengänse fliegen auf.

1/1250 | f/ 6.3 | ISO 640 | 600mm

Graugans auf einem Feld

Besonders im unbewohnten, östlichen Teil der Insel suchten viel Graugans-Trupps in den Salzwiesen nach Futter. Um bis ans Ostende zu gelangen, mietete ich bei einem der dutzenden Velovermietungen ein E-Bike. Dieses war zwar eher von billiger Qualität, gegen den starken Wind machte es aber seinen Job. Die gute Regenjacke und meine Regenhosen schützten mich zwar recht zuverlässig vor dem Regen. Vor den Graupeln konnte ich mich - und besonders meine Augen - nicht abschirmen. Mit zugekniffenen Augen und halb blind fuhr ich also mit dem Fahrrad ans Ostende. Einen Habicht am Strassenrand hatte ich leider übersehen. Plötzlich flog dieser nämlich direkt über meinen Kopf hinweg. Einige kleine Graugans-Trupps von bis zu 8 Individuen rasteten auch direkt neben dem Veloweg. Diese waren aber allesamt recht scheu. Mit etwas Vorsicht und Geduld konnte ich mich aber etwas annähern.

Graugans auf einer Salzwiese auf Langeoog.

1/640 | f/ 6.3 | ISO 200 | 600mm

Sanderlinge am Nordstrand

Besonders der Sanderling war ein grosses Ziel des Aufenthalts auf Langeoog. In den ersten Tagen hatte ich mit der Limikolen-Art aber kein Glück. Nur einmal konnte ich drei Sanderlinge vorbeifliegen sehen. Dann, am vierten Tag entdeckte ich vier kleine, weisse Vögel, welche der Wasserlinie am Strand entlang rannten. Etwas vor den Sanderlingen legte ich mich an der Wasserlinie auf den Boden. Den Sanderlingen war ich völlig egal und sie rannten immer näher auf mich zu. Noch immer war es sehr windig und auch die Sanderlinge hatten Mühe gegen den Wind voranzukommen. Schliesslich waren die Sanderlinge zu nahe und der AF kam den schnellen Vögeln nicht mehr hinterher. Ich legte die Kamera beiseite und genoss den Moment, ohne durch den Sucher schauen zu müssen. Die Sanderlinge rannten weiterhin den Strand hinauf, bevor sie schliesslich auf- und davonflogen.

Sanderling im Wind.

1/800 | f/ 6.3 | ISO 1600 | 600mm

Bis zum letzten Tag blieb es bei dieser einzigen Beobachtung. Auf dem letzten Rundgang am Strand entdeckte ich eine grössere Gruppe Sanderlinge. Mindestens 20 Sanderlinge rannten dem Strand entlang. Wie zuvor legte ich mich mit etwas Distanz vor den Sanderlingen an der Wasserlinie auf den Boden. Auch dieses Mal liessen sich die Sanderlinge nicht von mir beirren. Als sich die Sanderlinge neben mir an der Wasserlinie befanden, kam plötzlich eine grosse Welle. Die Sanderlinge rannten vor der Welle weg und standen plötzlich um mich herum. Die Welle stoppte aber noch nicht und bewegte sich noch immer auf mich zu. Ich musste mich nun entscheiden. Entweder würde ich die Sanderlinge wahrscheinlich aufschrecken dafür bliebe ich trocken oder ich würde etwas nass, doch ich könnte die Sanderlinge aus nächster Nähe fotografieren. Ich entschied mich für die zweite Option. Zwar etwas nass, konnte ich die Sanderlinge bei der Nahrungssuche fotografieren, bevor sie schliesslich weiter dem Strand entlang rannten.

Sanderling rennt von einer hohen Welle davon.

1/800 | f/ 6.3 | ISO 900 | 600mm

Da ich nicht sicher war, ob ich schon ein gutes Bild auf der Speicherkarte hatte, entschied ich mich, die Sanderlinge zu überholen und nochmals zu fotografieren. Diese waren aber erstaunlich schnell und so musste ich ein gutes Stück dem Strand entlang rennen, damit ich genügend Abstand hatte, um mich erneut auf den Boden zu legen. Wieder schienen sich die Sanderlinge nicht ab mir zu stören. Einer der Sanderlinge entschied sich etwas den Strand hinaufzulaufen und so konnte ich ein Foto machen, welches auch etwas Farbe im Hintergrund hatte. Die Kamera war trotz Lenscoat mittlerweile etwas sandig und so entschied ich mich erstmal zur Unterkunft zurück zu gehen, um die Kamera zu putzen. Leider war der Sonnenuntergang auch an diesem Tag von den Wolken verdeckt und so blieben die Fotos der Sanderlinge die letzten dieser Reise.

Sanderling such am Strand von Langeoog nach Futter.

1/800 | f/ 6.3 | ISO 1250 | 600mm

Trotz des schlechten Wetters stieg ich mit einigen guten Fotos wieder auf die Fähre. Der Aufenthalt war sowohl für mich als auch für die Ausrüstung ein Härtetest und ich freute mich nun auf wieder etwas schöneres Wetter. Doch ich bin mir sicher, dass ich nicht das letzte Mal auf Langeoog war. Hoffentlich ist das Wetter das nächste Mal dann etwas besser.

Verpasse keine neuen Artikel!
Mit dem Abonnieren des Newsletters erklärst du dich automatisch, die Datenschutzrichtlinien zu akzeptieren.

Nicolas Stettler

Weyernweg 27

2560 Nidau

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Soziale Medien


16.8.2022

© 2022 Nicolas Stettler. ALL RIGHTS RESERVED