Steinböcke fotografieren auf dem Niederhorn

Im letzten Sommer war ich ein Wochenende im Berner Oberland auf der Suche nach Steinböcken. Das Niederhorn ist besonders bekannt unter Naturfotografen. Dort sind sich die Tiere an die Wanderer und Fotografen gewöhnt und können in aller Ruhe fotografiert werden. In diesem Blogartikel erzähle ich dir wie die Steinböcke fotografieren konnte und welche anderen Tiere ich sonst noch beobachtet hatte.

1/400 | f/ 6.3 | ISO 1100 | 400mm

Der Alpensteinbock (Capra ibex)

Der Steinbock oder genauer der Alpensteinbock gehört zur Ordnung der Paarhufer. Arten der Paarhufer haben jeweils zwei oder vier Zehen. Im Falle des Steinbockes sind es zwei Zehen, welche er unabhängig voneinander ausrichten kann. Zusammen mit den weichen Fussballen und den harten Hufränder ermöglichen die Hufe optimalen Halt im alpinen Gelände. Dort ist der Steinbock geschützt vor allfälligen Feinden wie der Luchs oder der Wolf. Nur im Winter kommt der Steinbock auch in die Täler hinab, um dort nach Nahrung zu suchen. Diese besteht ganzjährlich aus Gräsern und anderen Pflanzen.

Weil die Hörner und das Blut der Steinböcke lange als Heilmittel genutzt wurden, wurden die Bestände in den Alpen stark dezimiert. Um 1650 war der Alpensteinbock bis auf wenige Tiere im Aostatal ausgerottet. Vor rund 100 Jahren wurden 3 Steinböcke aus dem Aostatal ‘entführt’ und im Schweizer Nationalpark ausgesetzt. Seitdem hat sich der Bestand wieder recht gut erholt. In der Schweiz leben wieder rund 18’000 Tiere.

Das Niederhorn

Das Niederhorn ist ein rund 2000m hoher Gipfel im Berner Oberland. Das Niederhorn formt den Beginn des Justistal. Die steilen Flanken bieten Lebensraum für viele alpine Tiere wie die Gämse, der Alpensteinbock oder das Alpenschneehuhn.

Die Anreise mit dem ÖV ist relativ einfach. Von Bern aus dauert die Fahrt bis auf die Bergstation der Gondelbahn gut zwei Stunden. Die erste Gondel fährt allerdings erst um 8.40 Uhr und so ist eine Übernachtung auf dem Berg sehr zu empfehlen. Gerade in den Sommermonaten ist das Licht um 9 Uhr schon nicht mehr so attraktiv und auch am Abend fährt die letzte Gondel lange bevor das Licht wieder schön weich wird.

Erster Tag

Als ich mit der Gondel am Samstag-Morgen an der Bergstation ankam, war diese mitten in den Wolken. Bei einer Sichtweite von nur wenigen Meter machte ich mich auf den Weg. Dem Bergkamm entlang konnte ich zwar immer wieder mal diverse Bergvögel hören, von den Steinbocken aber keine Spur!

Mittlerweile hat sich der Nebel etwas gelichtet. Etwas weiter vorne konnte ich durch den Nebel eine Gruppe von Steinböcken erkennen. Rund 30m von der Gruppe entfernt setzte ich mich auf den Boden und packte die Kamera aus. Die Gruppe der Steinböcke bestand aus zwei Weibchen und zwei Jungen. Am Bergkamm bedienten sich die Vier am frischen Gras.

1/320 | f/ 6.3 | ISO 280 | 600mm

Sie liessen sich durch meine Anwesenheit nicht irritieren und kamen immer näher. Schliesslich liefen die Vier an mir vorbei und liefen dem Bergkamm entlang. Ich machte mich ebenfalls in die gleiche Richtung auf den Weg und überholte die Gruppe mit etwas Abstand. Ich entschied mich aber noch etwas weiter zu laufen, in der Hoffnung noch auf ein Männchen zu treffen.

Tatsächlich stand ich schon wenige Minuten später nur zwei Meter vor zwei ausgewachsenen Männchen. Diese ruhten sich auf dem Weg aus und waren hinter einer kleinen Erhöhung kaum zu sehen. Nur wenige Meter vor ihnen konnte ich sie dann erblicken. Diese blieben aber sehr gelassen. Aus nächster Nähe konnte ich die Beiden porträtieren. Ich spielte mit verschiedenen Perspektiven, Kompositionen und Bildausschnitten.

Dieses Bild gefällt mir von den vielen Versuchen am besten. Es ist nicht das übliche langweilige Porträt, sondern zeigt nur einen kleinen Ausschnitt des Steinbockes.

1/160 | f/ 8.0 | ISO 900 | 600mm

Umzingelt von Steinböcken

Weil ich so beschäftigt mit den Ausprobieren von verschiedenen Kompositionen war, merkte ich gar nicht, dass die Gruppe mit den zwei Weibchen und den zwei Jungen von hinten angelaufen kamen. So war ich plötzlich rundherum von Steinböcken umzingelt. So konnte ich die Steinböcke noch einmal ein wenig fotografieren, bevor es allmählich Zeit wurde, zurück zur Bergstation zu laufen. Nach einem guten Nachtessen wollte ich eigentlich nochmals etwas raus. Der Berg war zwar nicht mehr in den Wolken, dafür verschwand die Sonne bald einmal hinter weit entfernten Gewitterwolken und es wurde schon bald dunkel.

1/500 | f/ 6.3 | ISO 1800 | 600mm

Landschaftsfotografie am Morgen

1s | f/ 8.0 | ISO 64 | 150mm

Am nächsten Morgen ging es schon wieder sehr früh aus den Federn. Im Morgenrot konnte ich auch einige Fotos der Landschaft machen. Besonders das Justistal liess sich sehr gut fotografieren. Ich behielt aber mein 150-600mm an der Kamera. Denn mit 150mm konnte ich das einzigartige U-förmige Ende des Tals hervorheben.

Natürlich bot auch das Alpenpanorama in der anderen Richtung einige interessante Fotogelegenheiten. Der Himmel war in diese Richtung nicht so schön und so entschied ich mich für ein Panorama. Mit dem Gimbal-Stativkopf war dies trotz 150mm nicht so schwierig. In Photoshop liessen sich die Fotos super einfach zusammenfügen. Dabei erhielt ich ein Foto mit unglaublichen 241Mp!

1/2 | f/ 8.0 | ISO 64 | 150mm

Alpenschneehuhn im Morgenlicht

Die Steinböcke konnte ich am frühen Morgen leider nicht entdecken. Dafür hatte ich aber Glück mit den Alpenschneehühner. Diese waren zwar recht scheu, doch eines der Schneehühner konnte wunderbar im Gegenlicht fotografieren. Etwas weiter weg konnte ich noch weitere Alpenschneehühner mit einigen Jungen entdecken. Diese waren umso scheuer und das Annähern war unmöglich.

So liess ich die Alpenschneehühner in Ruhe und machte mich nochmals auf die Suche nach den Steinböcken. Diese konnte ich nach einer längeren Suche tatsächlich nochmals finden. Allerdings war die Sonne schon sehr hoch am Himmel und das Licht entsprechend nicht mehr so gut. So entschied ich mich schon bald darauf den Heimweg anzutreten. Anstatt aber die Gondelbahn zu nehmen, nahm ich den Wanderweg bis zur Talstation.

1/400 | f/ 6.3 | ISO 64 | 600mm

Auf dem Wanderweg sah ich noch einer Gruppe Auerhühner. Im dunklen Wald hatte ich keine Chance die gut getarnten Hühner zu entdecken und jedes Mal, wenn ich dachte, dass das letzte Auerhuhn davongeflogen sei, flog nochmals eines nur wenige Meter vor meinen Füssen auf.

Schlussendlich kam späten Mittag an der Bergstation an. Eine Käseschnitte in einem anliegenden Restaurant bot den krönenden Abschluss für das erfolgreiche Wochenende bei den Steinböcken.

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Nicolas Stettler

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16.8.2022

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