Fotos von Vögeln und Tieren bearbeiten

Wenn es um die Bearbeitung der Bilder geht, gibt es unter Naturfotografen weit auseinandergehende Meinungen. Auf der einen Seite gibt es die, welche ihre Bilder überhaupt nicht bearbeiten. Auf der anderen Seite gibt es Fotografen, welche mit Bildbearbeitungsprogrammen alles aus den RAW-Files herausholen möchten. Wie ich persönlich meine Fotos bearbeite, erkläre ich dir in diesem Blogartikel.

Bildbearbeitungsprogramm(e)

Ich persönlich bearbeite meine Fotos mit Lightroom und Photoshop *. Allerdings gibt es auch noch andere Programme, um Bilder zu bearbeiten. Was genau du für ein Programm brauchst, spielt aber schlussendlich keine grosse Rolle. Wichtig ist nur, dass du ein Programm besitzt, welches RAW-Dateien lesen kann. Warum du immer im RAW-Format fotografieren solltest, erkläre ich die hier.

Workflow

Wenn ich von einem erfolgreichen Morgen zurückkehre, habe ich hunderte Fotos auf der Speicherkarte. Um diese effizient auszuwählen und zu bearbeiten solltest du an deinem Workflow feilen. Denn je weniger Zeit du vor dem Bildschirm verbringen musst, desto mehr Zeit kannst du draussen in der Natur verbringen. Im heutigen Artikel soll es aber nur um das Bearbeiten der Fotos gehen. Der gesamte Workflow werde ich in der Zukunft noch behandeln.

Dieses junge Blässhuhn ist erst vor wenigen Tagen geschlüpft.

Bei diesem Foto eines jungen Blässhuhns habe ich den linken Bildrand und auch den Kopf aufgehellt. Vorher war das Licht im Bild uninteressant. Durch die beiden Anpassungen, wird das Bild etwas spannender für den Betrachter und der Vogel hebt sich etwas mehr vom Hintergrund ab. (Halte die Maus über das Bild oder drücke lange auf das Bild um das unbearbeitete Foto zu sehen)

Zuschneiden

Nachdem ich ein Foto ausgewählt habe, welches ich bearbeiten möchte, beginne ich mit dem Zuschneiden. Als erstes richte ich das Foto gerade. Gerade wenn man aus einer unkomfortablen Position fotografieren musste, sind die Bilder oft schräge. Mit Lightroom lässt sich dies recht leicht korrigieren. Mit Ctrl kannst du den Horizont auswählen und Lightroom richtet dir das Foto richtig aus. Dabei probiere ich oft verschiedenste Kompositionen aus bevor ich mich für eine Komposition entscheide. Grundsätzlich versuche ich ein Bild dem Goldenen Schnitt entsprechend zu gestalten.

Gerade bei der Tierfotografie neigt man oft dazu, dass man das Bild so stark zuschneidet, dass die Qualität darunter leidet. Das solltest du aber vermeiden. Der Vogel muss ja auch nicht immer Format-füllend abgebildet sein. Oftmals sind Bilder viel spannender, wenn der Vogel etwas kleiner dargestellt ist aber dafür der Lebensraum noch etwas zur Geltung kommt.

Wie stark du dein Foto zuschneiden kannst, kommt auch etwas auf deine Kamera an. Mit einer Kamera mit einer hohen Auflösung kannst du wesentlich stärker zuschneiden als mit einer Kamera mit wenigen Megapixel. Ich versuche auf maximal 4000 Pixel auf der langen Seite zuzuschneiden. In seltenen Fällen schneide ich auch stärker zu.

Grundanpassungen

Wenn ich mich auf eine Komposition festgelegt habe, passe ich das Bild in seinen Grundwerten an. Das bedeutet, ich mache erste Anpassungen bezüglich der Helligkeit, dem Kontrast und dem Farbton. Dies erfolgt im Wesentlichen nach Gefühl. Denn von Bild zu Bild kann es stark variieren, wie ich die Bilder bearbeite. Am besten spielst du einfach etwas mit den Slidern, bis dir das Bild gefällt. Mit der Zeit wirst auch du ein Gefühl dafür entwickeln, wie du die Slider ungefähr anpassen musst.

Schärfe und Vignettierung

Nachdem ich die grundsätzlichen Einstellungen vorgenommen habe, schärfe ich, wenn nötig, das Bild ein wenig. Dabei solltest du es aber nicht übertreiben. Wenn ein Bild zu stark geschärft wird, entstehen an den Kanten weisse Ränder. Diese stören und du solltest diese unbedingt vermeiden.

Anschliessend lasse ich das Programm, in meinem Fall Lightroom, automatisch die Vignettierung und Verzerrung des Objektivs sowie Chromatische Aberrationen entfernen. In gewissen Fällen lasse ich die Vignettierung im Bild. Die dunkleren Ecken führen nämlich dazu, dass der Fokus mehr auf die Mitte gelenkt wird.

Störende Bildelemente entfernen in Photoshop

Für die weiteren Schritte wechsle ich von Lightroom zu Photoshop. Für die folgenden Arbeitsschritte verwende ich zusätzlich ein Grafiktablett. Auch dazu wird bald einmal noch ein Artikel erscheinen.

Als erstes entferne ich in Photoshop störende Bildelemente und Sensorflecken. Dafür verwende ich das Klonen-Tool. Grundsätzlich entferne ich vor allem Plastikteilchen, kleine Holzstückchen und andere störende, kleine Bildelemente. Grössere Bildelemente wie Äste entferne ich nur sehr selten.

Ein Sanderling sucht am Strand nach Futter.

In diesem Foto habe ich einige angeschwemmte Hölzchen und Steinchen entfernt. (Halte die Maus über das Bild oder drücke lange auf das Bild um das unbearbeitete Foto zu sehen)

Entrauschen in Photoshop

Sind die Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen entstanden und das Bild rauscht entsprechend auch, benutze ich das Photoshop Plug-in Dfine von ehemals Nik Collections. Dfine gehört zu einer Plug-in-Kollektion, welche mehrere Male von Firmen auf- und wiederverkauft wurde. Das ursprüngliche Plug-In kannst du aber immer noch auf der Seite von DXO herunterladen.

Lokale Anpassungen in Photoshop

Zum Abschluss bearbeite ich das Bild noch lokal. Das heisst ich bearbeite z.B. nur den Hintergrund oder nur die dunklen Gefiederpartien. In vielen Fällen senke ich den Kontrast im Hintergrund recht stark. Um die dabei verloren gegangene Farbe wieder zurückzuholen, erhöhe ich die Sättigung und passe den Farbton an. Die Filter kombiniere ich in einer Gruppe und wende den Effekt mit einer Ebenen Maske nur am Hintergrund an. Der Vogel wird dadurch nicht von den Filtern bearbeitet. Die Änderung hat in den meisten Fällen keinen grossen Effekt. Weil der Kontrast etwas gesenkt wurde, verliert der Hintergrund an Struktur. Dadurch lenkt der Hintergrund weniger vom Vogel ab.

Mit dem Tablett helle ich das Bild an einigen Stellen nochmals etwas auf. Gerade Schatten im Gefieder kann ich dadurch noch etwas weicher machen. Im Gegensatz dunkle ich auch gewisse Stellen im Foto ab.

Was ich auch in einigen Fällen mache, ist einen leichten Helligkeits-Verlauf im Bild einzufügen. Dabei helle ich das Bild auf der Seite, in welche das Tier blickt, etwas auf. Dies verleiht dem Bild eine gewisse Dynamik.

Eine Mehlschwalbe sammelt Lehm um ihr Nest zu bauen.

Bei dieser Mehlschwalbe habe ich den linken Bildrand etwas aufgehellt. Auch habe ich das blau schimmernde Gefieder etwas aufgehellt.

(Halte die Maus über das Bild oder drücke lange auf das Bild um das unbearbeitete Foto zu sehen)

Reiherente im Habitat.

Hier habe ich in Photoshop den Hintergrund etwas farbiger gemacht. Dazu habe ich zuerst mit einer Tonkurve die Tiefen angehoben und die verloren Farben mit Sättigung und Farbton etwas zurückgeholt.

(Halte die Maus über das Bild oder drücke lange auf das Bild um das unbearbeitete Foto zu sehen)

Tipps um besser zu bearbeiten

Wenn du zu lange vor dem Bildschirm sitzt, kann es passieren, dass du mit dem Bearbeiten abschweifst. Erst wenn du die Bilder das nächste Mal anschaust, merkst du, dass die Farben überhaupt nicht stimmen. Bist du also lange am Computer und bearbeitest Fotos solltest du immer wieder kurze Pausen einlegen. So können sich deine Augen erholen und du kannst deine Bilder wieder stimmig und farbgetreu bearbeiten.

Schaue dir immer wieder auch alte Fotos an. Wenn ich durch meine Archiv stöbere, finde ich immer wieder Fotos, die mir vorher noch nicht aufgefallen sind. Gerade zur jetzigen Zeit hat man sehr gut mal Zeit seine alten Fotos anzuschauen.

Wie ich meine Bilder Schritt für Schritt bearbeitet habe

  • Unbearbeitetes Foto

    Seit 2 Jahren lebt eine Igelfamilie bei uns im Garten. Besonders im Spätsommer sind die Igel schon kurz nach Sonnenaufgang aufgetaucht. In diesem Foto hat die Kamera einen etwas kühlen Weissabgleich gewählt. Zudem ist das Bild etwas dunkel und besonders der kleine Ast rechts im Bild stört mich ein wenig.

  • Zuschnitt

    In diesem Fall habe ich das Foto nur sehr wenig zugeschnitten. Damit auf der rechten Seite etwas mehr Platz entsteht, habe ich die linke Seite etwas abgeschnitten. Auch den Horizont habe ich ziemlich getroffen und so musste ich den Bildwinkel nicht anpassen.

  • Generelle Anpassungen

    In Lightroom habe ich das Bild um einen Blendenstopp aufgehellt. Den Weissabgleich habe ich leicht erhöht. Zusätzlich habe ich noch etwas mit den anderen Reglern gespielt, bis mir das Foto einigermassen gefiel.
  • Störende Bildelemente

    In Photoshop habe ich den Ast am rechten Bildrand entfernt. Dazu habe ich den Kopierstempel verwendet. Eigentlich könnte das Photoshop auch automatisch entfernen. Ich mache es aber trotzdem meist manuell. Manuell kommt das Ganze noch etwas genauer.
  • Photoshop

    In Photoshop habe ich dann noch rechte Seite etwas aufgehellt und die linke Seite entsprechend etwas abgedunkelt. Dies hat den Effekt, dass der Igel ins Licht hineinblickt und verleiht dem Bild etwas mehr Dynamik.

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Nicolas Stettler

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16.8.2022

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