Niederhorn im Herbst

Zu Beginn der Herbstferien war ich für 2 Tage im Berner Oberland auf der Suche nach Steinböcken. Das Wetter zeigte sich aber nicht von seiner besten Seite und auch die Steinböcke waren für einmal nicht sehr fotogen. Warum ich trotzdem mit über 1500 Fotos nach Hause kam, erfährst du in diesem Artikel.

Auf dem Niederhorn angekommen, dauert es nicht lange, bis ich die ersten Steinböcke sehen konnte. Ein Gruppe Weibchen weideten oberhalb der Bergstation mit ihren Jungen. Diese befanden sich aber nicht unbedingt an einem attraktiven Ort und ich entschied mich, entlang des Berggrates zu laufen.

Auf dem Weg entlang des Berggrates hoffte ich auf weitere Steinböcke oder Gämsen zu treffen. Ich konnte aber keine entdecken und so suchte ich auf einer der Bergkuppen nach Alpenschneehühnern. Von beiden Seiten des Berggrates zogen immer wieder Wolken hinauf und hüllten die Landschaft in dichten Nebel. Als sich plötzlich etwas vor mir bewegte, hielt ich an und blickte durch die Kamera. Ein mittelgrosser Vogel, fein gemustert mit einem kurzen, spitzen Schnabel stand nur wenige Meter vor mir und schaute mich ruhig an. Ein Goldregenpfeifer! Etwas überrascht legte ich mich langsam auf den Boden und wartete. Der Vogel blieb noch eine Zeit lang stehen bevor er mit schnellen Schritten davonlief. Nach wenigen Metern hielt der Goldregenpfeifer jedoch an und drehte sich schliesslich wieder um. Es schien, als würde er die flache Bergkuppe systematisch ablaufen. Immer wieder hielt er an und zog einen Wurm aus der Erde. Dabei zeigte der Vogel überhaupt keine Scheue und kam immer wieder bis auf wenige Meter auf mich zu.

1/800 | f/ 4 | ISO 160 | 500mm

1/800 | f/ 4 | ISO 125 | 500mm

1/800 | f/ 4 | ISO 180 | 500mm

Nach einigen Stunden liess ich den Goldregenpfeifer zurück und wanderte zurück zum Berghotel, wo es ein frühes Z’Nacht gab. Ein Portion Pasta später ging es wieder entlang des Berggrates auf die Suche nach den Steinböcken. Diese konnte ich aber an diesem Abend nicht finden. Neben ein paar balzenden Birkhühner konnte ich aber immerhin eine Gämse relativ gut fotografieren. Die Wolken hatten für eine kurze Zeit etwas aufgeklart und ich konnte die Silhouette der Gämse vor dem orange leuchtenden Himmel ablichten. Die Sonne ging schon früh unter und ich machte mich auf den Weg zurück Richtung Berghotel.

1/8000 | f/ 6.3 | ISO 64 | 500mm

Am folgenden Morgen ging es noch vor Beginn der Morgendämmerung wieder hinaus. Das Wetter hatte sich wieder etwas verschlechtert. Immerhin konnte ich aber für einige wenige Minuten den Sonnenaufgang geniessen, bevor die Aussicht durch eine heranziehende Wolke wieder verschlungen wurde.

1/40 | f/ 4 | ISO 100 | 24mm

Auf meiner Suche, endlich einen Steinbock zu sehen, stand ich plötzlich nur wenige Meter vor einem Birkhahn. Dieser hockte genau auf dem Weg und ich konnte ihn erst im letzten Moment hinter einer Kurve erkennen. Ich konnte gerade noch einige Fotos schiessen, bevor der Birkhahn auf einen nahe gelegen Baum flog. Um den Birkhahn aber nicht weiter zu stören, entschied ich mich weiter zu laufen.

1/500 | f/ 4 | ISO 3600 | 500mm

Auf der Bergkuppe angekommen war vom Goldregenpfeifer, bis auf eine Feder, keine Spur mehr zu sehen. Er hatte wohl die mehrheitlich klare Nacht genutzt und die Alpen überquert. Das war auch gut so, denn die Wetterprognose sagte für die nächsten paar Tage starke Schneefälle voraus. Dann die Alpen zu überqueren wäre für den Vogel wohl unmöglich gewesen.

Ich suchte die Bergkuppe dennoch noch einmal ganz genau ab. Vielleicht liess sich ja heute dafür ein Alpenschneehuhn blicken… Tatsächlich konnte ich bald darauf, wenige Meter vor mir, einen stark gemusterten Vogel erkennen. Der Vogel schien aber zu klein für ein Alpenschneehuhn. Der Blick durch die Kamera bestätigte meine Vermutung, es war zwar kein Alpenschneehuhn aber noch viel besser, ein Mornellregenpfeifer! Der Vogel hockte zusammengekauert im Gras und schlief. Immer wieder warf er einen Blick auf seine Umgebung. Er schien sich aber nicht ab mir zu stören und so konnte ich mich allmählich dem Vogel annähern. Nachdem ich verschieden Perspektiven und Kompositionen mit meinem Tele ausprobiert habe wechselte ich schliesslich zu meinem 50 mm f/ 1.8 und daraufhin das 24mm f/ 1.4. Der Mornellregenpfeifer blieb weiterhin ruhig und ich kam bis auf ungefähr auf einen Meter an den Vogel heran. Schliesslich gesellte sich sogar noch ein zweiter Vogel dazu. Das Wetter war mittlerweile etwas besser geworden und sogar die Sonne zeigte sich kurzzeitig.

1/1600 | f/ 1.8 | ISO 100 | 50mm

1/400 | f/ 4 | ISO 180 | 500mm

1/500 | f/ 4 | ISO 180 | 500mm

1/400 | f/ 8 | ISO 800 | 500mm

Als aus dem Nichts plötzlich eine Alpendohle neben mir landete erschraken die beiden Mornellregenpfeifer und flogen rufend davon. Noch lange konnte ich die beiden mit der Kamera verfolgen, bis ich sie in Richtung Südwesten aus den Augen verlor. Ich hätte zwar gerne noch mehr Bilder von den schönen Vögel gemacht, angesichts des vorhergesagten Wetters war es mehr als gut, wenn die Mornellregenpfeifer die Alpen noch bei halbwegs gutem Wetter überqueren konnten.

Auf dem Rückweg zurück zur Bergstation traf ich dann noch eine grössere Gruppe Steinböcke an. Zwar waren diese relativ zutraulich, ein wirklich gutes Foto gelang mir aber nicht. Am frühen Nachmittag ging es deshalb wieder mit der Gondel ins Tal.

Zwar hatte ich auf der Speicherkarte nur einige wenige Fotos der Steinböcke. Mit den Fotos vom Goldregenpfeifer und den Mornellregenpfeifer kam ich schliesslich trotzdem auf gut 1'500 Fotos. Noch am selben Tag setzte ich mich an den Computer um diese zu organisieren und zu bearbeiten.

0.4s | f/ 10 | ISO 64 | 500mm

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Nicolas Stettler

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16.8.2022

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