Wasservögel fotografieren | Location

Dieser Blogartikel ist Teil einer Serie über das Fotografieren von Wasservögeln. In diesem Artikel geht es um Vor- und Nachteile verschiedener Locations. Die Location spielt in der gesamten Fotografie eine wichtige Rolle. Anders als z.B. in der Landschaftsfotografie, ist die Location für die Vogelfotografie allerdings nur ein sekundärer Faktor. Doch was ist der Unterschied zwischen einer Tafelente im Hafenbecken und einer Tafelente in einem Naturschutzgebiet? Welche kann ich besser fotografieren? Wo gelingen mir die besseren Fotos?

Tafelente am Klingnauer Stausee

1/640 | f/ 7.1 | ISO 250 | 600mm

Eine klare Antwort auf die Frage nach der besseren Location gibt es nicht. Es kommt ganz auf das Bild an, welches man machen möchte. Beide Locations haben gewisse Vorteile, welche man für seine Bildidee ausnützen kann. Andererseits haben beide Locations auch Nachteile, die einen stark einschränken können.

Wasservögel im Hafen fotografieren

Besonders im Winter sind Enten häufig im Hafenbecken zu beobachten. Geschützt vor Wind und Wellen bleiben diese oft dort, bis sie im Frühling in die Brutgebiete zurückfliegen. Während diesen Monaten gewöhnen sich auch die sonst sehr scheuen Entenarten, wie z.B. Tafel-, Reiher- und Kolbenente, langsam an die Präsenz des Menschen. Ich habe auch schon beobachten können, dass die eigentlich fischfressenden Gänsesäger plötzlich Interesse an Passanten hatten, welche eigentlich die Stockenten füttern wollten. Als Fotograf kann man sich das zwar zu Nutzen machen, doch besonders Passanten mit freilaufenden Hunden können einem das Leben wiederum erschweren. Das Fotografieren im Hafenareal ist besonders an schönen Sonntagen nicht zu empfehlen.

Wenn man besonders Glück hat, trifft man auf Individuen die scheinbar überhaupt keine Angst haben. So konnte ich z.B. im letzten Jahr immer wieder ein Tafelenten-Männchen fotografieren. Während ich dazu die ersten Male mein normales Tele-Objektiv benutzte, schoss ich schlussendlich Porträts mit einem 105mm Makro-Objektiv.

Tafelente im Hafen. Ein Portrait von vorne fotografiert.

1/320 | f/ 5.6 | ISO 2200 | 400mm

weibliche Tafelente im Seeland

1/400 | f/ 6.3 | ISO 560 | 600mm

Schwieriger wird’s dann aber schon ab mittleren Distanzen. Der Hintergrund wird weniger stark verschwommen und es sind plötzlich unschöne Strukturen zu erkennen. Das lässt sich leider kaum ändern und man kann nur noch hoffen, dass der Vogel auf einen zu schwimmt. Dies ist aber auch bei diesen Enten eher eine Seltenheit. Dieses Tafelenten-Weibchen suchte mit seinen vier Jungen in einem kleinen Bootshafen nach Nahrung. Die Familie schwamm so nahe heran, dass die Hafenmauer im Hintergrund verschwommen wurde. Wäre das Weibchen weiter weg, könnte man im Hintergrund Strukturen erkennen. Diese Strukturen würden vom Vogel ablenken. Mit einem verschwommenen Hintergrund liegt der ganze Fokus des Betrachters auf dem Vogel.

Wasservögel im Naturschutzgebiet oder am Seeufer fotografieren

In Naturschutzgebieten oder generell an natürlichen Seeufern hat man zwar das Problem mit dem unschönen Hintergrund nicht mehr, dafür wird es allgemein aufwändiger, den Wasservogel vor die Linse zu bekommen. Auch ist es schwieriger, überhaupt ans Ufer zu gelangen. Besonders in Naturschutzgebieten ist dies oft untersagt. Dies ist natürlich zu befolgen und es bleibt einem nur übrig, andere Gebiete zu suchen. Diese Suche kann sich als durchaus kompliziert gestalten und auch ich bin noch auf der Suche nach dem idealen Gebiet zum Fotografieren von Wasservögeln. Eines der besten Gebiete, welches ich bis jetzt gefunden habe, ist der Klingnauer Stausee im Aargau. Dort überwintern neben vielen Tauchenten auch verschiedene Gründelenten. Eine Besonderheit des Gebiets ist, dass man relativ einfach ans Ufer gelangen kann und es möglich ist, seine Kamera sehr nahe über dem Wasser zu positionieren. In einem weiteren Artikel habe ich den Effekt einer tiefen Kameraposition noch genauer erklärt. Weil die Enten aber weniger in Kontakt mit Menschen kommen, sind diese oftmals viel scheuer. Damit man diese Enten fotografieren kann, braucht man viel Geduld und Glück. Je nach Location kann ein Versteck am Ufer oder sogar ein Floating Hide helfen, näher an die Enten zu gelangen. Wenn sich aber die Enten an einen gewöhnt haben, erlaubt die Location mehr künstlerische Freiheiten als wenn man in einem Hafen fotografieren würde.

Tafelente an einem kalten Morgen

1/80 | f/ 6.0 | ISO 450 | 360mm

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Nicolas Stettler

Weyernweg 27

2560 Nidau

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16.8.2022

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