Welche Blende bei der Tierfotografie?

An deiner Kamera kannst du verschiedenste Dinge einstellen. Diese Einstellungen mögen am Anfang aber sehr verwirrend wirken. Gerade bei der Tierfotografie lässt sich aber eine Einstellung sehr leicht festlegen. Die Einstellung der Blende ist nämlich relativ konstant und muss nur selten angepasst werden?

Welche Blende bei der Tierfotografie? Um das Tier möglichst vom Hintergrund abzuheben, solltest du die Blende möglichst weit öffnen. Dadurch wird der Hintergrund unscharf und lenkt den Fokus des Betrachters weniger vom Tier ab. Auch fällt dadurch mehr Licht auf den Sensor.

Eine grosse Blendenöffnung hat folgende Vorteile:

  • Unscharfer Vorder- und Hintergrund
  • Mehr Licht auf dem Sensor

Im Artikel erfährst du, was die Blende überhaupt ist, wie du sie an deiner Kamera einstellst und was genau sie bewirkt.

Was ist die Blende?

Die Blende ist das mechanische Pendant zur Iris im menschlichen Auge. Die Blende hat in der Mitte ein Loch, durch welches das Licht hindurchgeht und schliesslich auf den Sensor fällt. Die Blende befindet sich im hinteren Bereich des Objektivs.

Wie gross die Öffnung in der Mitte ist, lässt sich steuern, indem die Lamellen verschoben werden. Diese Lamellen, meist 6 oder 9 an der Zahl, sind in einem Kreis angeordnet und werden mit einem Mechanismus entweder elektronisch oder per Hand gleichmässig verschoben.

Was bewirkt die Blende?

Die Blende beeinflusst, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Ist die Blendenöffnung sehr klein, die Blende also geschlossen, fällt nur sehr wenig Licht auf den Sensor. Ist die Blende im Gegenteil aber sehr weit geöffnet, fällt mehr Licht auf den Sensor. Das Bild ist also je nach Blendenöffnung unterschiedlich hell.

Ist die Blende geschlossen ist das Bild dunkel, ist die Blende weit geöffnet, ist das Bild hell.

Diese Aussage gilt natürlich nur, solange die anderen Einstellungen gleichbleiben.

Die Blende beeinflusst neben der Helligkeit des Bildes aber auch die Tiefenschärfe. Die Tiefenschärfe ist ein Phänomen welches auch du selber beobachten kannst. Halte deine linke Hand etwa 30 cm vor dein Gesicht. Schliesse nun ein Auge und schaue nun auf deine linke Hand. Du wirst merken, dass, was auch immer sich hinter deine Hand befindet, unscharf wird. Nimmst du jetzt deine rechte Hand und hältst sie vor die linke Hand, wird die rechte Hand, je näher du ans Auge gehst, immer unschärfer.

Das gleiche passiert auch bei einer Kamera. Stellst du die Kamera auf ein Objekt scharf, erscheinen alle Objekte mit der gleichen Distanz zur Kamera scharf. Diese Distanz ist die sogenannte Fokusebene. Je weiter weg sich ein Objekt von der Fokusebene befindet, desto unschärfer wird das Objekt abgebildet.

Eigentlich ist die Fokusebene aber ein Quader. So gibt es einen gewissen Bereich in welcher alle Objekte scharf abgebildet werden. Die Tiefenschärfe bezeichnet im Grossen und Ganzen, wie gross dieser Bereich ist. Bei einer geringen Tiefenschärfe ist dieser Bereich sehr klein. Bei einer grossen Tiefenschärfe ist die Fokus-’Ebene’ bzw. der Fokusquader sehr tief.

Wie unscharf ein Objekt abgebildet wird, hängt aber nicht nur von der Distanz vom Objekt zur Fokusebene ab, sondern auch von der Blendenöffnung. Generell gilt, je weiter die Blende geöffnet, desto unschärfer werden die Objekte vor und hinter der Fokusebene.

Weiter ist die Unschärfe auch abhängig von der Distanz von der Fokusebene zur Kamera und der Brennweite. Hier gilt:

Je näher die Fokusebene zur Kamera und je länger die Brennweite, desto unschärfer werden die Objekte vor und hinter der Fokusebene.

Ein Mornellregenpfeifer Porträt fotografiert mit Blende 8.

1/400 | f/ 8.0 | ISO 800 | 500mm

Wie wird die Blende angegeben?

Die Blende wird in f-Stopps (f/ ) angegeben. Was genau die Nummern bedeuten ist nicht wirklich nötig zu wissen. Wichtig ist einfach, dass du verstehst, was grosse und kleine Zahlen bei der Blende bedeuten. Eine kleine Blendenzahl, z.B. f/ 4, gibt an, dass die Blende weit geöffnet ist. Eine grosse Zahl wie f/ 16 bedeutet dagegen, dass die Blende stark geschlossen ist.

Wieso können einige Objektive die Blende weiter öffnen?

An jedem Objektiv steht jeweils eine Zahl wie f/ 4 oder f/ 5.6. An manchen Objektiven lautet diese Zahl auch f/ 4.5-6.3. Was bedeutet also diese Zahl?

Die Zahl gibt ganz einfach an, wie weit die Blende maximal geöffnet werden kann. Das kann z.B. eben f/ 4 oder f/ 5.6 sein. Bei Objektiven mit variablen Brennweiten, sogenannte Zoom-Objektiven, kann die maximale Blendenöffnung je nach Brennweite unterschiedlich sein. Bei einem 150-600mm f/ 4.5-6.3 kann die Blende bei 150 mm auf f/ 4.5 eingestellt werden. Bei 600 mm allerdings nur noch auf f/ 6.3.

Das liegt daran. dass die Blendenzahl sowohl vom Durchmesser des Objektivs, als auch von der Brennweite abhängig ist. Weil der Durchmesser des Objektivs beim Zoomen bzw. beim Erhöhen der Brennweite gleichbleibt, wird die Blendenzahl grösser.

Wie stelle ich die Blende an meiner Kamera ein?

Die Blende kannst du entweder im Blendenpriorität Modus oder im Manuellen Modus einstellen. Im Blendenpriorität Modus (Bei Canon Av, bei Nikon und Sony A) stellst du selber die Blende und optional die ISO-Empfindlichkeit ein. Die Belichtungszeit wählt die Kamera selber. Im Manuellen Modus (bei allen Kameraherstellern M) müssen alle Einstellungen ausser optional der ISO-Empfindlichkeit selber gewählt werden.

Anfängern würde ich zuerst den Blendenpriorität Modus empfehlen. Dann kannst du dich vorerst auf die Blende und vor allem auf die Belichtungskompensation und die ISO-Empfindlichkeit konzentrieren.

Fortgeschrittenen würde ich dann den Manuellen Modus empfehlen. Dort kannst du neben der Blende auch die Verschlusszeit einstellen. Die ISO-Empfindlichkeit würde ich aber dafür auf ISO-Automatik lassen. Dafür muss aber auch die Belichtungskompensation verwendet werden. Diese müsstest du allerdings auch im Blendenpriorität Modus gebrauchen.

BlendenprioritätManueller Modus
Belichtungszeit:
Automatisch

Manuell

Blende:
Manuell

Manuell

ISO-Empfindlichkeit:
Automatisch/ Manuell

Automatisch/ Manuell

Belichtungskompensation:
Notwendig

Nur mit ISO-Automatik notwendig

Ein Sandregenpfeifer vor einem grünen Hintergrund, der durch die grosse Blendenöffnung unscharf wurde.

1/500 | f/ 4 | ISO 400 | 500mm

Die Vorteile einer grossen Blendenöffnung

Durch die weite Öffnung der Blende wird der Hintergrund deiner Bilder unscharf. Das hat den Effekt, dass dieser an Struktur verliert. Diese Strukturen könnten den Betrachter des Bildes sonst vom Subjekt des Fotos, also vom Tier ablenken.

Hast du hingegen einen völlig unscharfen Hintergrund, sind die einzigen Strukturen die des Tieres. Der Fokus liegt als viel stärker auf dem Tier. Das Tier sticht dem Betrachter viel mehr ins Auge und dadurch muss das Tier auch nicht immer Formatfüllend abgebildet werden.

Neben dem unschärferen Hintergrund gewinnst du mit einer offenen Blende auch an Licht. Dadurch kannst du entweder eine schnellere Belichtungszeit wählen, oder die ISO-Empfindlichkeit des Sensors senken.

Durch eine schnellere Belichtungszeit gelingt es, Bewegung im Bild einzufrieren. Besonders bei, sich schnell bewegenden Tieren, wie z.B. Vögel ist meist eine schnelle Belichtungszeit notwendig, damit der Vogel scharf abgebildet und nicht verschwommen ist.

Eine geringere ISO-Empfindlichkeit bewirkt, dass die Bilder weniger stark rauschen. Je höher der ISO-Wert eingestellt ist, desto stärker beginnen nebeneinanderliegende Pixel sich in Helligkeit und Farbe voneinander zu unterscheiden. Diese Unterschiede sind völlig zufällig und werden im Bild aus Rauschen sichtbar.

1/320 | f/ 4 | ISO 1000 | 500mm

1/320 | f/ 9 | ISO 4500 | 500mm

Die Nachteile einer grossen Blendenöffnung

Mit einer grösseren Blendenöffnung werden die meisten Objektive tendenziell etwas unschärfer. D.h. auch die Objekte auf der Fokusebene werden nicht so scharf abgebildet. Bei den meisten Objektiven fällt die verminderte Schärfe aber praktisch überhaupt nicht auf.

Etwas stärker fällt dagegen die Vignettierung auf. Auch diese nimmt mit grösseren Blendenöffnungen zu. Bei der Vignettierung werden die Bildecken etwas dunkler abgebildet als die Bildmitte. Je nach Objektiv ist die Vignettierung unterschiedlich stark.

Die Vignettierung lässt sich aber mit Bildbearbeitungsprogrammen korrigieren. Z.T. könnte auch die Kamera die Vignettierung selber korrigieren. In einigen Fällen kann die Vignettierung aber auch ein Bild verbessern. Durch das, dass die Bildmitte heller ist als die Bildecken wird der Fokus des Betrachters automatisch mehr auf die Mitte gelenkt, wo sich dann das Tier befindet.

Je näher man bei einem Tier ist, desto geringer wird auch die Tiefenschärfe. Stellt man z.B. auf das Auge eines Vogels scharf, sind Körper bereits zu weit weg von der Fokusebene und werden unscharf abgebildet. In diesem Fall kann die Blende etwas geschlossen werden, und der Körper wird wieder einigermassen scharf abgebildet.

Die Vignettierung mit Blende 6.3.

1/4 | f/ 6.3 | ISO 160 | 150mm

Die Vignettierung mit Blende 8.

1/4 | f/ 8.0 | ISO 250 | 150mm

Die Vignettierung mit Blende 10.

1/4 | f/ 10 | ISO 400 | 150mm

Meine Empfehlung

Ich empfehle dir deshalb, um Tiere zu fotografieren, die Blende immer möglichst weit zu öffnen. An deinem Objektiv ist das z.B. f/ 4, f/ 5.6 oder f/ 6.3. Natürlich gibt es auch Objektive, die die Blende noch weiter öffnen können.

Bist du aber sehr nahe vor deinem Tier, kannst du evtl. die Blende auch leicht schliessen. D.h. von f/ 5.6 oder f/ 6.3 auf f/ 8 oder sogar f/ 9 zu stellen. Dadurch werden die Bilder generell etwas schärfer, durch die grössere Fokusebene wird auch das gesamte Tier schärfer abgebildet. Dabei solltest du aber den Hintergrund nicht aus den Augen verlieren. Wird dieser zu unruhig, öffnest du die Blende lieber wieder ein wenig.

Fazit

Um Tiere zu fotografieren sollte die Blende so weit geöffnet sein wie möglich. Eine weit geöffnete Blende wird mit einer tiefen Blendenzahl, z.B. f/ 4, angegeben. Die Blende lässt sich entweder im Blendenpriorität-Modus oder im Manuellen Modus einstellen.

Durch die weit geöffnete Blende wird der Hintergrund deiner Fotos unschärfer und es fällt mehr Licht auf den Sensor. Du kannst dadurch entweder die Belichtungszeit verkürzen oder die ISO-Empfindlichkeit senken.

Generell werden Objektive bei einer grossen Blendenöffnung etwas unschärfer und zeigen eine stärkere Vignettierung. Besonders letzteres kannst du aber mit Bildbearbeitungsprogrammen beheben.

Zwei junge Schwarzspechte blicken aus ihrer Höhle heraus.

1/320 | f/ 4 | ISO 500 | 500mm

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Nicolas Stettler

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16.8.2022

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