Kolbenente (Netta rufina)

Die Zahl der Kolbenenten haben in den letzten Jahren in der Schweiz stark zugenommen. Heute brüten schon bis 300 Paare in der Schweiz. Vor 30 Jahren waren es rund 30 Paare.
Die Zahl der Kolbenenten haben in den letzten Jahren in der Schweiz stark zugenommen. Heute brüten schon bis 300 Paare in der Schweiz. Vor 30 Jahren waren es rund 30 Paare.

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name: Netta rufina

Klasse: Vögel

Ordnung: Gänsevögel

Familie: Entenvögel

Länge: 53-57cm

Spannweite: 84-88cm

Gewicht: 800-1200g

Verbreitung: Europa, Ostasien

Brutbestand CH: 210-300 Paare

Lebensraum: Diverse Seen, Fliessgewässer

Zugverhalten: Standvogel, Kurzstreckenzieher

Wie sieht eine Kolbenente aus?

Das Kolbenenten-Männchen fällt aufgrund der intensiven Färbung schnell auf. Iris und Schnabel sind knallrot. Der Kopf ist je nach Lichtverhältnissen leuchtend orange. Die Brust ist komplett schwarz und zeigt eine klare Abtrennung zu den orangen Federn am Kopf. Die Flanken sind wie bei der Reiherente weiss. Bürzel und Steiss sind wiederum schwarz und der Mantel braunfarben. Speziell ist auch der weisse Keil am Flügelansatz.

Die Kolbenenten-Männchen sind dank ihrer bunten Färbung unverwechselbar.
Während der Synchronmauser im Sommer verlieren alle Entenarten für eine kurze Zeit die Flugfähigkeit. Besonders schön sehen sie in dieser Zeit nicht aus.

Im Sommer mausern die Männchen in ein unauffälligeres Schlichtkleid. Dieses ähnelt dem Federkleid des Weibchens. Die beiden kann man aber anhand der Schnabel- und Augenfarbe unterscheiden. Das Männchen hat nämlich das ganze Jahr über einen roten Schnabel und rote Augen. Das Weibchen hat dunkle Augen und einen grauen Schnabel. Die Schnabelspitze kann je nach Individuum leicht orange bis rosa sein.

Das Gefieder des Weibchens wird zwar auch in regelmässigen Abständen erneuert, das Gefieder sieht aber das ganze Jahr gleich aus. Es ist weitestgehend ungemustert und hellbraun bis beige. Die Oberseite des Kopfes ist etwas dunkler gefärbt als die Unterseite.

Das Weibchen ist einheitlich braun-beige gefärbt. Die Kopf-Oberseite ist etwas dunkler.

Verwechslungsmöglichkeit

Die Kolbenente ist praktisch unverwechselbar. Sowohl Männchen als auch Weibchen zeigen einzigartige Merkmale, welche das Bestimmen erleichtern. Auch auf grosse Distanzen ist besonders der orange Kopf des Männchens noch immer gut zu erkennen.

Wo lebt die Kolbenente?

Die Kolbenente bewohnt verschiedene Seen und langsam fliessende Gewässer, im südlichen Verbreitungsgebiet auch Lagunen. Dabei bevorzugt sie eher flache und warme Gewässer mit reichlich Ufer- und Unterwasservegetation.

Im Winter hat die Kolbenente weniger Ansprüche an ihren Lebensraum und ist häufig auch im Hafenareal zu beobachten. Dort ist sie vor Wind und Wellen geschützt und findet trotzdem genügend Nahrung.

Vorkommen in der Schweiz

In der Schweiz war die Kolbenente vor 100 Jahren noch eine sehr seltene Ente. Wahrscheinlich war sie schon vor gut 200 Jahren als Wintergast in der Schweiz. Gesicherte Nachweise gibt es aber erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Vor ungefähr 80 Jahren wurden am Bodensee die ersten Bruten nachgewiesen. Allmählich breitete sich die Kolbenente auch auf andere Gewässer aus. Besonders in den letzten 30 Jahren hat die Kolbenente stark zugenommen. Dabei profitiert die Tauchente wahrscheinlich unter anderem auch vom Klimawandel. So hat sie in den letzten Jahrzehnten ihr Brutgebiet nach Nordosten ausgeweitet. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Kolbenente in der Schweiz ist die Verbesserung der Wasserqualität. Welcher Effekt die verbesserte Wasserqualität hat, ist im folgenden Kapitel erläutert.

Im Winter sind Kolbenenten an fast jedem grösseren Hafen anzutreffen. Diese beiden Männchen habe ich am Hafen in Biel fotografiert.

In der Schweiz ist die Kolbenente mittlerweile ein recht häufiger Brutvogel. Der Brutbestand wird auf 210 bis 300 Brutpaare geschätzt. Wenn sich der Trend so fortsetzen sollte, wird diese Zahl noch weiter ansteigen.

Im Winter lebt ein grosser Teil des europäischen Bestandes in der Schweiz. Der Winterbestand liegt bei ungefähr 40'000 Individuen und nimmt stetig zu.

Was frisst die Kolbenente?

Die Kolbenente ernährt sich hauptsächlich von Wasserpflanzen. Ein Grossteil der Nahrung besteht aus der Armleuchteralge. Diese profitiert von der verbesserten Wasserqualität und das grosse Nahrungsangebot sorgt für gute Überwinterungsbedingungen für die Kolbenente.

An die Nahrung gelangt die Kolbenente tauchend. In der Regel taucht die Kolbenente bis zu 4 m tief. Ein Tauchgang dauert im Schnitt nicht länger als 10 Sekunden. Bei geringen Wassertiefen kann die Kolbenente auch gründeln. Selber habe ich das Verhalten aber noch nie beobachten können.

Brutverhalten der Kolbenente

Wie bei allen Enten kümmert sich das Weibchen alleine um das Brutgeschäft. Das Nest liegt gut versteckt in der Ufervegetation. Gerne nistet die Kolbenente auch auf kleine Inseln. In das Nest legt das Weibchen zwischen 8 und 11 Eier. Diese werden für die folgenden 26 bis 28 Tage bebrütet. Schon wenige Stunden nach dem Schlüpfen der Jungen verlassen diese das Nest. Unter der Führung des Weibchens müssen die Jungen die Nahrung schon selber finden und aufnehmen. Nach 45 bis 50 Tagen erlangen die Jungen dann die Flugfähigkeit.

Kolbenenten legen oft auch Eier in die Nester anderer Entenarten. So habe ich auch schon eine Tafelenten-Familie mit einem Kolbenenten-Jungen beobachten können.

Während sich die Weibchen alleine um die Brut kümmern, suchen die Männchen in Trupps einen Mauserplatz auf.

Ist die Kolbenente ein Zugvogel?

Die Brutpopulation der Schweiz bleibt das ganze Jahr in der Schweiz. Im Winterhalbjahr ziehen viele Kolbenenten aus Südwesten zu uns in die Schweiz. Der Zug beginnt dabei schon im Sommer. Besonders Männchen ziehen bereits früh aus den Brutgebieten ab, und mausern dann in grossen Trupps an sogenannten Mauserplätzen. Einige dieser Mauserplätze befinden sich in der Schweiz, einer der grössten Europas liegt am Bodensee. Im Frühling ziehen die Wintergäste dann wieder zurück in ihre Brutgebiete.

Kolbenenten fotografieren

Besonders im Winter können Kolbenenten in allen grösseren Häfen der Schweiz beobachtet werden. Häfen sind zwar nicht so optimal, um auf Augenhöhe zu fotografieren, sollte dies aber möglich sein, ist das Fotografieren nicht so schwierig. Viele Vögel gewöhnen sich im Verlauf des Winters an die Präsenz des Menschen und verlieren ihre Scheu. In einem früheren Blogartikel habe ich geschrieben wie ich dieses und weitere Fotos der Kolbenente gemacht habe. Hier geht's zum Artikel über die Fotos.

Diese Kolbenente hatte keine Angst vor mir und schwamm ruhig vor mir am Ufer entlang.

Kolbenenten sind bei starkem Sonnenlicht recht schwierig zu belichten. Während die dunklen Gefiederpartien viel Licht schlucken, werden die hellen Gefiederpartien schnell überbelichtet. Besonders der weisse Keil am Mantel, ist sehr empfindlich dafür. Das Resultat sind komplett schwarze und weisse Bereiche ohne Bildinformationen. Dies lässt sich selbst mit einem Bildbearbeitungsprogramm nicht mehr korrigieren. Das Histogramm kann dir dabei helfen, die richtige Belichtung für die Kolbenente zu finden. Bei gutem Licht, das heisst wenn die Sonne tief am Himmel steht oder es bewölkt ist, sollte es möglich sein, dass sowohl die hellen als auch die dunklen Bereiche gerade noch Bildinformationen enthalten.

Quellen

Die Bestandeszahlen, Länge, Gewicht und Spannweite entsprechen den Daten der Vogelwarte Sempach

Informationen über Verhalten, Verbreitung usw. entsprechen meinen eigenen Beobachtungen und wurden mit Informationen aus folgenden Quellen ergänzt:

Die Vögel der Schweiz (2007) Lionel Maumary et al.

Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Der Kosmos Vogelführer (2017) Lars Svensson et al.

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Nicolas Stettler

Weyernweg 27

2560 Nidau

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16.8.2022

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